Burn-out, hocheskalierte Konflikte und Mobbing am Arbeitsplatz: Mediation kann helfen

By 10. September 2020 September 25th, 2020 Aus der Praxis, Meinungen

Der stetig wachsende Druck in der Arbeitswelt hat Folgen. Arbeitsausfälle durch Burn-out sind in der Schweiz auf einem Rekordhoch. Seit 2012 sind die Zahl der Arbeitsausfälle durch Burn-out um 50% angestiegen.

Schikane im Beruf fördert Burn-out

Burn-out ist ein Zustand tiefer körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung. Die Gründe dafür vielfältig.

Wiederkehrende Konflikte am Arbeitsplatz gehören zu diesen Gründen. Fühlen sich Mitarbeitende am Arbeitsplatz über längere Zeit attackiert, unter Druck gesetzt, Gerüchten ausgesetzt, sexuell belästigt, verbal belästigt, ausgegrenzt, schlecht bewertet, … löst dies oft eine Erschöpfungsspirale aus. Mitarbeitende holen sich aus Angst vor einer Kündigung selten Hilfe. Sie bauen Distanz auf und versuchen sich zu entziehen. Sie sitzen die Situationen bis zur Erschöpfung aus. Die Folge: Krankschreibung. Selbst dann wird für Arbeitgebende nicht sofort sichtbar, dass ungeklärte Konflikte zum «Ausfall» der Mitarbeitenden geführt haben. Es sei denn, als Grund für die Krankschreibung wird Burn-out aufgrund Mobbings angegeben.

Besonders gefährdet sind Mitarbeitende die nicht Nein sagen können, die hohe Leistungsansprüche an sich stellen, die einem Konflikt gerne aus dem Weg gehen. Sie sind ihren «attackierenden« Gegenübern dabei nicht generell unterlegen, rutschen jedoch nach einer gewissen Zeit in die Opferrolle ab.

Dadurch entsteht ein Teufelskreis, entstanden aus der Anhäufung von Missverständnissen und Kommunikationsproblemen. Als Zeichen der Ohnmacht, verbunden mit dem Wunsch aus dieser hocheskalierten Konfliktsituation gerettet zu werden, bezeichnen Mitarbeitende die Situation dann als Mobbing. Die Mobbingbeschwerde scheint ihr oder ihm in diesem Moment die beste Lösung. Meistens löst dies jedoch noch mehr Konfrontation aus.

Beschwerde und Mobbinguntersuchung versus Mediation

Eine Mobbinguntersuchung ist in den meisten Fällen eine Problemverschiebung. Dies gilt auch für die gerichtliche Klärung. Es werden Fakten behandelt, die Gründe, die Wurzeln einer Situation werden weder gemeinschaftlich geklärt noch beseitigt.
Es wird nur «untersucht» und berichtet. Alle Beteiligten bleiben in dieser Zeit «auf dem Feld des Konflikts» opfergleich liegen.

Durch Mediation bzw. mediative Klärungsgespräche entstehen in diesen Situationen Entlastung und Gewinne für beide Seiten. Es können Kontexte besprochen, das soziale Verhalten analysiert und damit das Problem im Kern besser begriffen werden. Grundvoraussetzungen sind jedoch die freiwillige Teilnahme und die Bereitschaft sich dem Konflikt eigenverantwortlich zu stellen.

Als erfahrene Mediator*innen handeln wir in diesen Fällen fokussiert und allparteilich anteilnehmend, ohne den Schutz des vermeintlichen Opfers zu vergessen. Wir beginnen mit Einzelgesprächen im Sinne von Zuhören, Entlasten und Selbstermächtigung. Wir entscheiden dann situativ, ob wir zwischen den Parteien pendeln oder sie irgendwann gemeinsam an den Tisch bringen. Mediation treibt dabei auf beiden Seiten einen Reflexions- und Entwicklungsprozess voran, der Raum für Lösungen öffnet. Davon profitieren Einzelne, Teams und Organisation mehr, als von einer Untersuchung.

Gelingt die Konfliktlösung auf diese Weise, stärkt dies die Unternehmenskultur, das Teamgefüge und die Führungskompetenzen. Und natürlich auch die Produktivität, denn wer sich in hocheskalierten Konflikten befindet, kann sich kaum mehr ordentlich auf seine (Führungs-)Arbeit konzentrieren.

Ein kurzer Beipackzettel für Arbeitgeber*innen

Hinschauen bei den Gründen für eine Krankschreibung
Schauen Sie bei Krankschreibungen wegen Burn-out genauer hin. Oft liegen Konflikte dahinter, die es zu klären gilt.

Mediation und Dialog statt Untersuchung
Als Mediator*innen sehen wir häufig mobbingähnliches und kein astreines Mobbingverhalten. Hier ist es sinnvoller den Weg der Mediation zu gehen, als den Weg der Untersuchung. Nach einer Untersuchung sind die Fakten bekannt, doch während dieser Zeit schwellen Konflikte weiter an und/oder weitere Mitarbeitende werden krank. Dieses Risiko möchten Sie unter Umständen nicht eingehen.

Mediation ist kein Medikament
Mediation macht kranke Mitarbeitende nicht arbeitsfähiger. Hier sind der Mediation gesunde Grenzen gesetzt. Sie ist ein Klärungsverfahren und hilft den Betroffenen den Konflikt zu erkennen, daran zu arbeiten und für sich daraus zu lernen.