Kritik: Fluch, Segen, Liebesdienst?

By 23. August 2016 September 6th, 2016 Meinungen

Ist Kritik Fluch, Segen oder gar ein Liebesdienst? Ein kritisches Feedback kann weh tun. Gleichzeitig hilft es uns auch dabei die eigene Weiterentwicklung anzustossen.

Unsere Sehnsucht nach Anerkennung ist gross. Wir Menschen sind soziale Wesen und lieben Anerkennung. Sie wirkt in unserem Hirn fast wie eine Droge. Anerkennung durch andere macht uns glücklich und löst Motivationsschübe aus. Kritik, besonders negative, steht nicht auf unserem Wunschzettel. Mehr noch, sie löst beim manchen von uns das Gegenteil von Motivation aus: Frust, Angst, Verzweiflung, …

Und doch, Kritik ist für uns Menschen kostbar.
Der Neuropsychologe Joachim Bauer bringt es auf den Punkt:

«Alles was wir tun, steht im Dienste des Wunsches nach guten Beziehungen.».

Wenn wir Menschen keine Resonanz erhalten, für das was wir tun, dann verkümmern und verwelken wir. Jede Form der Resonanz ist in diesem Sinne ein lieber Dienst an uns als Mensch. Wir werden wahrgenommen und erhalten Anerkennung für unser Dasein. Kritik ist jedoch nicht immer nur ein Loblied. Sie kann auch kritische Teile enthalten. Auch wenn wir das nicht mögen, an den kritischen Anteilen eines Feedbacks wachsen wir.

Kritik tut weh und wir nehmen sie ungern an.
Die negativen Teile der Kritik kratzen an unserem Selbstwertgefühl. Unser Hirn bewertet sie durchaus als bedrohlich. Denn sie enthält auch die Botschaft:

«Was du tust ist nicht in Ordnung. Wie du dich verhältst, ist nicht richtig.».

Diese Botschaft trifft Menschen, für die Fehler etwas Schreckliches sind, besonders stark. Je nach Erfahrung nehmen wir negatives Feedback ungern an. Hand aufs Herz, jede/r von uns war das eine oder andere Mal mit unqualifizierter, unverschämter, herabsetzender oder gar falscher Kritik konfrontiert. Oder, was manchmal ebenso schwer wiegt: Die Kritik war durchaus gut und angebracht. Leider war es die falsche Person. Wir gestehen schliesslich nicht jeder Person zu uns zu kritisieren.

Feedbacks annehmen, auch wenn es nicht einfach ist.
Bei jedem Feedback gibt es eine Sachebene und eine Beziehungsebene. Wenn sich mein Gegenüber im Ton vergreift, dann ist der sachliche Inhalt vielleicht korrekt, die Form jedoch daneben. In dieser Situation kann man seinem Gegenüber die sachlichen Aspekte anerkennen und gleichzeitig darauf hinweisen, dass sie oder er sich im Ton vergriffen hat:

«Was du gesagt hast mag richtig sein, doch den Ton/die Art und Weise wie du deine Kritik äusserst empfinde ich als unverschämt und verletzend. Zum sachlichen Inhalt deiner Kritik möchte ich sagen …»

Sicher, wir können nicht in allen Situationen souverän mit Kritik umgehen. Meist hilft es etwas Zeit zu gewinnen. Also Zeit zwischen Kritik und Antwort zu bringen:

«Ich habe folgendes verstanden … Ich möchte darüber nachdenken und mit dir morgen … darüber reden.».

Diese Zeit dazwischen hilft es mir mich zu sammeln. Sie hilft mir auch dabei mir gegenwärtig zu machen, dass ich und mein Gegenüber nicht vollkommen sind. Nein, wir sind vielleicht sogar beide unvollkommen und fehlbar. Mit dieser Haltung empfinden wir Kritik nicht als Zerstörung unseres Selbstbilds, sondern gewinnen wieder die Ruhe mit der wir Kritik begegnen sollten. Die Zeit dazwischen ist auch wichtig sich zu überlegen: Aus welcher persönlichen Not/welchem Kontext heraus entstand die Kritik? Welche Bedürfnisse stehen dahinter? Kann ich einen Teil dieser Bedürfnisse erfüllen?

Kritik eine wunderbare Sache
Feedback kann wunderbar sein. Wenn es sachlich und qualifiziert ist. Wenn ich der Kritik gebenden Person vertraue. Wenn ich sicher sein kann, dass diese Person es gut mit mir meint. Wenn mich diese Person mit der Kritik nicht klein machen will. Trifft all dies zusammen, dann ist Kritik etwas woran jeder Mensch wächst.

 

 

 

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